Sonntagsgebet zum 5. Fastensonntag/A

zum 29. März 2020 – von Pastoralreferent Florian Frick-Tamm

 

Sonntagsgebet zum Ausdrucken (PDF)

 

Wir bereiten den Ort der Feier vor und entzünden eine Kerze. Sie zeigt: Jesus ist bei uns.

Lied:           Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt – GL 383

oder: Herr, unser Herr, wie bist du zugegen – GL 414

 

Die Liedtexte finden Sie auch als Anhang. Das Blatt muss nicht ausgedruckt werden, wenn alle ein Gotteslob haben oder nicht singen (dann nur Seite 1-8).

Du bist in unserer Mitte, Herr, und dein Name ist über uns ausgerufen. (Jer 14,9)

 

Im Kreuzzeichen verbinden wir uns mit Gott und mit allen Christen:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Im Hausgebet am Sonntag verbinden wir uns als Christinnen und Christen miteinander. Wir denken an diejenigen, die uns aus unserer Gemeinde vertraut sind.

Wir denken an diejenigen, mit denen wir in unserem Leben verbunden sind, die nahen und fernen Angehörigen, die Freundinnen und Freunde.

Wir lassen uns stärken durch Gott, der uns das Leben und die Lebendigkeit schenkt.

 

Lasst uns beten:

Lebendiger Gott.
Jesus Christus hat unser Leben geteilt, hat Freude erfahren und Leid ertragen – wie wir. Gib, dass wir in guten und in bösen Tagen mit ihm verbunden bleiben. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

 

Aus dem Psalm 103

 

Lobe den Herrn, meine Seele, /

und alles in mir seinen heiligen Namen!

 

Lobe den Herrn, meine Seele, /

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir all deine Schuld vergibt /

und all deine Gebrechen heilt,

der dein Leben vor dem Untergang rettet /

und dich mit Huld und Erbarmen krönt,

der dich dein Leben lang mit seinen Gaben sättigt; /

wie dem Adler wird dir die Jugend erneuert. (…)

 

Der Herr ist barmherzig und gnädig, /

langmütig und reich an Güte. (…)

Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, /

so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten. (…)

Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, /

so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten.

Ja, die Huld des Herrn währt immer und ewig /

für alle, die ihn fürchten und ehren.

 

Lobe den Herrn, meine Seele, /

und alles in mir seinen heiligen Namen!

 

 

Lesung aus dem Buch des Propheten Ezechiel


EZ 37,1-14 – Gute Nachricht Bibel

Ich gebe meinen Geist in euch, dann werdet ihr lebendig!

 

Ich, Ezechiel, spürte, wie der HERR seine Hand auf mich legte.

Er führte mich im Geist durch die Luft und setzte mich mitten in der Ebene nieder. Ich sah: Der ganze Boden war mit Totengebeinen bedeckt.

Der HERR führte mich überall herum und zeigte mir die Gebeine.

Es waren unzählige und sie waren völlig ausgetrocknet.

 

Dann fragte er mich: »Du Mensch, können diese Knochen wieder zu lebenden Menschen werden?«

Ich antwortete: »HERR, das weißt nur du!«

 

Und er fuhr fort: »Rede als Prophet zu diesen Gebeinen!

Ruf ihnen zu: ‘Ihr vertrockneten Knochen, hört das Wort des HERRN!

So spricht der HERR, der mächtige Gott, zu euch:

Gebt acht, ich bringe Lebensgeist in euch und ihr werdet wieder lebendig!

Ich lasse Sehnen und Fleisch auf euch wachsen und überziehe euch mit Haut. Und dann hauche ich euch meinen Lebensgeist ein,

damit wieder Leben in euch kommt.

Ihr sollt erkennen, dass ich der HERR bin!’«

Ich tat, was der HERR mir befohlen hatte.

 

Während ich noch redete, hörte ich es rauschen.

Die Knochen rückten zueinander, so wie sie zusammengehörten.

Ich sah, wie Sehnen und Fleisch darauf wuchsen und sich eine Haut bildete. Aber es war noch kein Lebensgeist in ihnen.

 

Da sagte der HERR zu mir: »Du Mensch, sprich als Prophet zum Lebensgeist, sag zu ihm: ‘So spricht der HERR, der mächtige Gott:

Komm aus allen vier Himmelsrichtungen und hauche diese Toten an,

damit wieder Leben in sie kommt!’«

 

Ich tat, was der HERR mir befohlen hatte.

Da kam der Lebensgeist in sie und sie wurden lebendig und standen auf.

Es war eine riesige Menschenmenge.

 

Dann sagte der HERR zu mir: »Du Mensch,

diese Totengebeine sind das Volk Israel.

Du hörst doch, wie sie sagen: ‘Unsere Gebeine sind vertrocknet,

unsere Hoffnung ist dahin; wir haben keine Zukunft mehr!’

 

Darum rede als Prophet zu ihnen und sage:

‘So spricht der HERR, der mächtige Gott: Gebt acht,

ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, heraus;

ich führe euch heim ins Land Israel.

Ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich das tue –

wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus ihnen heraushole.

Ich gebe meinen Geist in euch, damit wieder Leben in euch kommt,

und bringe euch in euer Land zurück.

Ihr sollt erkennen, … dass ich tue, was ich sage, ich, der HERR.’«

 

Sonntagsevangelium – JOH 11,3-7. 17. 20-27. 33B-45. –

Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit 3sandten die Schwestern des Lazarus Jesus die Nachricht:

Herr, dein Freund ist krank.

4Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes:

Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.

5Denn Jesus liebte Marta, ihre Schwester und Lazarus.

6Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.

7Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.

17Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.

20Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus.

 

21Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.

22Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben.

23Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen.

24Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag.

25Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt,

26und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?

27Marta antwortete ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

 

33bJesus war im Innersten erregt und erschüttert.

34Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!

35Da weinte Jesus.

36Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!

37Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat,

hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?

38Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt, und er ging zum Grab.

Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.

 

39Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete ihm:

Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.

40Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?

 

41Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.

42Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.

43Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme:

Lazarus, komm heraus!

 

44Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden, und lasst ihn weggehen!

45Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

 

Ich gebe meinen Geist in euch, damit wieder Leben in euch kommt

Liebe Schwestern und Brüder!
Bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl lebte ich für ein Jahr im Ambrosianum in Ehingen um die Altsprachen Latein, Griechisch und Hebräisch zu lernen. Eine Voraussetzung für das Theologiestudium.
Aber in diesen Tagen ging es ganz stark darum, den unsichtbaren radioaktiven Staub nicht von draußen in die Schule, in die Studierzimmer und (z.B. an den Haaren) bis hinein ins eigene Bett zu tragen. Dort würde er noch lange strahlen – und vielleicht krank machen. Das Gemüse für das Essen bestand auch mal aus erwärmten sauren Gurken – vor dem Unglück geerntet und eingekocht. Das Frühjahrsgemüse auf den Feldern war ungenießbar, Märkte konnten nicht unter freiem Himmel stattfinden. Die Strahlung! Die unsichtbare radioaktive Gefahr im strahlend schönen Mai des Jahres 1986 war bedrückend und hat große Schäden verursacht.
Die wahrscheinlich ernsteste Situation für die Gesellschaft, die ich in meinem Leben bisher erlebte.

Eine ältere Dame erzählte dieser Tage am Telefon vom Bombenkrieg und den Nächten im Keller. Sie fragte damals als Kind ihre Mutter, ob sie jetzt für immer im Keller schlafen müssen. Und sie erzählt heute bewundernd, wie ihre Mutter damals gekocht hat: Mit fast nichts! Es ist gut, uns an das zu erinnern, was einmal Hoffnung gab und heute gibt. Was uns lebendig hält.

Heute müssen wir uns wappnen gegen ein unsichtbares Virus, das „schwer zu verteidigen ist“. Was gibt mir Hoffnung, dass wir es schaffen können, der Gefahr zu trotzen?

In der Lesung des heutigen Sonntags beschreibt Ezechiel ein Traumbild, eine Vision: Gott zeigt dem Propheten eine ganze Ebene mit verstreuten Knochen: Die Menschen Israels sind wie diese Knochen. Warum? Eine Großmacht hatte das kleine Land überfallen und viele Menschen in die Verbannung nach Babylon entführt. Alles war verloren! Gott aber schenkt Ezechiel die Hoffnung auf neues Leben. Und der ruft sie anderen zu:
Gott schenkt neues Leben – durch seinen Lebensgeist!

Wir hören heute auf Lebensgeschichten der Bibel: Gott erweckt zu neuem Leben was gestorben ist. Diesen Lebensgeist schenkt und sendet Gott.

 

Impuls

Der Lebensgeist Gottes wirkt sich auch im Kleinen aus. Der Dichter Reiner Kunze sagt über die Poesie (die Dichtkunst): „Die Poesie ist ein im Menschen vergessenes Schöpfungswerkzeug Gottes.“  Wie viele andere „vergessene Schöpfungswerkzeuge“ sind da auch in uns versteckt:

Kreative Musikerinnen und Musiker machen Mut. Humorvolle Menschen zaubern mir oft mit einem kleinen Film ein Lächeln ins Gesicht. Andere senden mir Nahaufnahmen von den ersten kleinen Frühlingsblüten draußen; mit dem Telefon quasi im Vorbeigehen. Andere malen.
Andere gestalten eine (Familien-) Osterkerze.
Und, und, und …

 

Überlegen wir – und wer möchte, spricht es aus.

Wenn wir zu mehreren sind, kann es wie ein „Blitzlicht“ reihum gehen:

Jede und jeder sagt kurz, was er oder sie denkt. Niemand muss!

–        Das macht mir gerade zu schaffen … !

–        Das belebt, stärkt oder erfreut mich in diesen Tagen … !

–        Ich freue mich auf … !

Abschluss: Ich sage Gott Dank in einem kleinen Gebet!

 

oder:

Lebendiger Gott.

Ich höre auf Dein Wort: Du bist mir allezeit nahe. Dein Geist umgibt und durchdringt mich, du willst, dass ich lebe. Dafür danke ich Dir!

 

Kreativ werden?

Kleine und große Künstlerinnen und Künstler können aus trockenen Ästen und anderen Naturmaterialien, die man draußen findet, mit Blumendraht, Holzleim oder (Vorsicht:) Heißkleber Tiere oder andere starke Figuren herstellen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Natürlich: Keine Pflanzen abreißen oder zerstören…!

Gebet:

Guter Gott,
wir gehen durch eine Zeit der Unsicherheit und Angst:

Da ist die Sorge um geliebte Menschen.
Da ist die Furcht, sich anzustecken.
Da ist die Ungewissheit, wie sich unsere Welt in diesen Monaten

verändern wird.
Da ist jetzt schon ein grundlegender Einschnitt in unser gewohntes Leben: Wir müssen auf vieles verzichten, das wir gerne tun, um andere Menschen nicht in Gefahr zu bringen.

Das belastet uns, und wir hoffen, dass diese Zeit bald vorübergeht.

Dies alles: unsere Befürchtungen, unsere Hoffnungen, unsere Ängste, tragen wir vor dich.
Du hast gesagt, dass du unsere Gebete hörst.
Du hast gesagt, dass wir unsere Sorgen auf dich werfen dürfen.
Du hast gesagt, dass du bei uns bist alle Tage bis ans Ende der Welt – auch in dunklen Zeiten.

Wir vertrauen dir.
Wir legen die Menschen, die wir lieben, in deine Hand:

Segne sie und behüte sie.
Und wir bitten dich,

schenke uns Kraft und Zuversicht

und beschütze uns in dieser Zeit.
Amen.

(Ursula Schumacher)

 

Beten wir gemeinsam das Vaterunser:

Vater  unser, im Himmel …

 

Segen:

Es segne und stärke uns – und alle, die uns am Herzen liegen –

der liebende Gott: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen.

Ich wünsche Ihnen – auch im Namen aller hauptamtlicher Seelsorgerinnen und Seelsorger – einen guten, gesegneten und friedvollen Sonntag! Bleiben Sie gesund! Florian Frick-Tamm

 

Anhang: Liedtexte

Gotteslob Nr. 383

 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe

1. Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe. / Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.

 Refrain:

Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern, / die Menschen werden singen / bis das Lied zum Himmel steigt:

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, / Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, / Frieden auf Erden!

2. Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle.
Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.

Refrain:

Ehre sei Gott…

3. Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, dass ich lache. /
Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich lebe. /

Refrain:
Ehre sei Gott…

 

 

 

Gotteslob Nr. 414

Herr, unser Herr, wie bist du zugegen

1. Herr, unser Herr, wie bist du zugegen / und wie unsagbar nah bei uns. / Allzeit bist du um uns in Sorge, / in deiner Liebe birgst du uns.

2. Du bist nicht fern, denn die zu dir beten / wissen, dass du uns nicht verlässt. / Du bist so menschlich in unsrer Mitte, / dass du wohl dieses Lied verstehst.

3. Du bist nicht sichtbar für unsre Augen, / und niemand hat dich je gesehn. / Wir aber ahnen dich und glauben, / dass du uns trägst, dass wir bestehen.