Trau dich

Foto: Peter Weidemann

Ich war als Jugendlicher ein sehr schüchterner Mensch. Und ich staune immer, was mir auf meinem Glaubensweg an Mut und Vertrauen zugewachsen ist. Das „Trau dich“ ist für mich eine tiefe, spirituelle Haltung, die wir gerade in den Umbrüchen der Kirche in unserer Zeit dringend brauchen. Wir sind gewohnt, in festen Strukturen zu arbeiten, zu planen und zu entwickeln. Dies wird aber in einer „Baustellenzeit“, in einer Zeit, der Neuordnung von Strukturen und von konkreten Mangelerfahrungen nicht mehr tragfähig sein. Wir müssen da manchmal sehr flexibel und auch spontan agieren und reagieren. Da hilft die Haltung des „Trau dich“.

Ein Beispiel bei der ökumenischen Telefonseelsorge hier: Mehrere kirchliche Träger evangelisch wie katholisch finanzieren die hauptamtlichen Stellen, (2 Stellen, die für ca. 100 gut ausgebildete Ehrenamtliche da sind – so einen output erlebe ich nicht oft in unseren kirchlichen Kreisen), sollen um 40% aufgestockt werden. Mehrere Träger sagen, wir müssen sparen, wir können Beträge höchstens einfrieren, was ja faktisch auch eine Kürzung ist. Folge, als Vorstand könnte ich die Stelle nicht auf den Weg bringen, denn der Bedarf für die Begleitung und Ausbidlung weiterer Ehrenamtlicher ist riesig. Also habe ich mich getraut, jemandem aus dem nichtkirchlichen Umfeld eine Mail zu schreiben, ob er da die Telefonseelsorge nicht unterstützen kann. Nach nicht mal 45 Minuten hatte ich die Zusage, und konnte die Stelle in der folgenden Beiratsitzung schaffen. Es hat mich viel Überwindung gekostet, diese Mail zu schreiben, zu fragen. Aber es hat sich gelohnt, dass ich mich getraut habe. Ich glaube, wir müssten uns öfter trauen, über unsere Haushaltpläne und Systeme hinauszudenken. Dann bin ich überzeugt wird Kirche vor Ort lebendig bleiben, auch wenn die Rahmenbedingungen sich ändern und Haushalte kleiner werden. Keiner zwingt uns, nur innerhalb des Systems zu bleiben. Wir dürfen uns trauen hinauszugehen.

Kürzlich war Abt Nikodemus Schnabel bei uns zum Heiligkreuzfest in Wiblingen. Er ist auch ganz stark von diesem Trau dich geprägt. Obwohl in der Dormitio und in Tabga der Gästebetrieb fast ganz zum Erliegen gekommen ist, zahlen sie die palästinensischen Angestellten weiter, aus ihren Pensionsrücklagen. Ökonomen würden sagen, wir müssen sie entlassen, um unsere Finanzen zu schützen: Sie trauen sich zu sagen: Wir stehen an der Seite der Menschen und hoffen, dass zur rechten Zeit, wieder großzügige Geber da sein werden.

Oder die Wiblinger Hauptorgel, die wir 2021 eingeweiht haben. Sie ist mit meinem „Trau dich“ auf den Weg gekommen. Ich kam in die Basilika in Wiblingen, einen wunderbaren Kirchenraum, dreht mich um und sah keine Orgel auf der Hauptempore. Ich sagte im KGR, dass da eine Lücke ist, dass da eine Orgel fehlt. So kam das Projekt 2016 auf den Weg, ein Orgelförderverein wurde gegründet und trotz mancher Hindernisse steht da heute diese erste neue Hauptorgel. 1, 4 Mio Euro hat sie gekostet, und es war keine Rücklage da und es war nicht in der mittelfristigen Finanzplanung aufgeführt. Dass dies gelungen ist, dafür bin ich sehr dankbar, und das hat mit dem Trau dich zu tun, dass wir uns trauen, etwas auszusprechen, andere mitzunehmen und zu begeistern.

In meiner persönlichen Spiritualtiät ist das seit langem zugrunde gelegt. Ein Pater im Gymnasium in Bad Wurzach hat mir einmal gesagt, dass ihm das Bendictus bei der Laudes (Morgengebet) so wichtig ist, und er es betet, bevor er eine Mail liest oder anfängt zu arbeiten und ein Satz ihm dabei besonders viel Kraft gibt, für die Arbeit des Tages mit seinen Herausforderungen: „…er hat uns befreit, dass wir aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsere Tage…“ Dieser Satz trägt auch mich jeden Morgen neu, in all der Verantwortung als Pfarrer und Dekan oft verbunden auch mit schwierigen Gesprächen und Sitzungen. Da hat – glaube ich – mein „Trau dich“ seine Quelle und seinen Ursprung.

Ulrich Kloos, Dekan

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Aktueller Impuls

Gott, nicht mit dem Kopf durch die Wand
doch mutig lass mich reden
wovon mein Herz erfüllt, randvoll
so dass der Mund sich öffnen will
lass mich mein Zeugnis geben
von der Frohen Botschaft deiner Liebe
die Anbruchszeichen deines Reiches
ich will sie nicht verschweigen
auch wenn sie noch so zart sich zeigen
für die Wahrheit, die in mir sich zeigt,
hilf mir auf meine Weise einzutreten
mit Klarheit, die um Verstehen ringt
mit Mut – gesäumt von Rücksichtnahme
entschieden und mit Kraft
Du traust mir zu,
dass ich mich traue.

(Annette Gawaz, Trau Dich, Impuls zur Synodalen Haltung, kirche-der-zukunft.drs.de), In: Pfarrbriefservice.de

Zentrale Gebete

Vater­unser

Das Vaterunser ist das zentrale Gebet des Christentums und wurde von Jesus Christus selbst gelehrt. Es ist ein Gebet, das die Beziehung zwischen Gott als Vater und den Gläubigen betont. Es besteht aus sieben Bitten, die die Werte des Glaubens widerspiegeln.

Das Gebet findet sich in den Evangelien von Matthäus und Lukas und wird in vielen christlichen Gottesdiensten gemeinsam rezitiert. Das Gebet vereint somit Christen weltweit, da es in allen christlichen Konfessionen gebetet wird.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Glaubens­­bekenntnis

Das Glaubensbekenntnis, oft das Apostolische Glaubensbekenntnis genannt, ist eine Zusammenfassung der grundlegenden Glaubensinhalte der katholischen Kirche. Es drückt den Glauben an Gott, Jesus Christus, den Heiligen Geist und die Gemeinschaft der Gläubigen aus.

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

Ave Maria

Das Ave Maria, auch bekannt als das »Gegrüßet seist du, Maria«, ist ein Gebet, das sich direkt an Maria richtet. Es erinnert an die Verkündigung und betont ihre Rolle als Mutter Gottes. Der Text des Gebets basiert auf dem biblischen Bericht über die Verkündigung an Maria, als der Engel Gabriel ihr die bevorstehende Geburt Jesu verkündete.

Das Ave Maria wird in verschiedenen liturgischen und musikalischen Kontexten verwendet, es ist auch wichtiger Bestandteil des Rosenkranzgebets. Neben seiner liturgischen Verwendung findet das Ave Maria daher auch Platz in der alltäglichen Frömmigkeit. Viele Komponisten haben das Ave Maria in ihrer Musik vertont, wodurch es auch in der klassischen Musik große Bedeutung erlangt hat.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.

Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Amen.