Erst vor wenigen Wochen feierten wir das Pfingstfest. 50 Tage nach Ostern, plötzlich, ganz unerwartet, kommt der Heilige Geist – und alles wird anders. Die Jünger, die noch kurz zuvor ängstlich in einem verschlossenen Raum saßen, brechen auf, sprechen in neuen Sprachen, und die Welt um sie herum verändert sich. Dieser Geist, der damals wehte, weht auch heute noch. Und er flüstert uns zu: „Steh auf. Trau dich. Ich bin bei dir.“
Kurz vor Pfingsten am Wochenende von Christi Himmelfahrt feierten tausende Gläubige den Katholik:innentag in Würzburg unter dem Motto: „Habt Mut, steht auf!“
Das Motto erinnert an die Geschichte des blinden Bartimäus im Markusevangelium (Mk 10,46-52).
Bartimäus hört, dass Jesus vorbeikommt – er beginnt laut zu rufen: „Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Die Menschen um ihn herum versuchen, ihn zum Schweigen zu bringen. Doch Bartimäus lässt sich nicht beirren. Als Jesus ihn schließlich ruft, springt er auf, wirft seinen Mantel ab und geht zu ihm. Jesus fragt ihn: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ Bartimäus antwortet: „Herr, ich will sehen können.“ Und Jesus heilt ihn mit den Worten: „Dein Glaube hat dich gerettet.“ Kein Zögern. Kein „Aber was, wenn…“. Einfach: Aufstehen. Losgehen.
Dazu braucht es Mut! Dieser Mut, ist aber kein heldenhafter Mut, der uns unbesiegbar macht. Es ist der stille Mut, der uns trotzdem handeln lässt – auch wenn die Knie zittern.
Der Mut, der sagt: „Ich weiß nicht, wie es ausgeht, aber ich gehe den ersten Schritt.“
Vielleicht geht es darum,
- im Gespräch mit einem Menschen, der herausfordert, nicht wegzuschauen,
- eine Idee, die am Herzen liegt, endlich anzupacken,
- in einer Situation, in der man sich überfordert fühlt, trotzdem „Ja“ zu sagen – in dem Wissen: Ich bin nicht allein.
Für mich ist der Heilige Geist ist kein fernes, abstraktes Wesen. Er ist Gottes Atem in uns – der uns tröstet, wenn wir traurig sind, der uns antreibt, wenn wir müde sind.
An Pfingsten feiern wir, dass dieser Geist in uns lebt. Dass wir nicht perfekt sein müssen, um zu beginnen. Dass wir nicht alles wissen müssen, um zu handeln. Dass wir nicht alleine stark sein müssen – weil er es für uns ist.
Ein Gedanke für Sie:
- Wo hält Sie gerade etwas am Boden?
- Wo spüren Sie diesen inneren Widerstand, der sagt: „Bleib sitzen. Es ist sicherer so.“?
Pfingsten ist die Einladung, diese Stimme zu hören und gleichzeitig auf eine andere Stimme zu hören. Eine Stimme, die flüstert: „Steh auf. Ich halte dich.“
- „Wo ruft mich Gott gerade zum Aufstehen?“ – nicht morgen, nicht irgendwann, sondern heute.
Tu den ersten Schritt. Egal wie klein. Getragen von Gott.
Maria Grüner, Dekanatsreferentin