Die Caritas-Kampagne 2026 erinnert uns daran, dass christliches Handeln vom Mitgehen, Zuhören und vom Perspektivwechsel lebt. In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher und politischer Spannungen – auch mit Blick auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg – sind wir als Gemeinden aufgerufen, Generationen zu verbinden, respektvoll im Gespräch zu bleiben und Verantwortung für ein friedliches Miteinander zu übernehmen. Zusammen geht was, wenn wir bereit sind, den Weg des anderen ernst zu nehmen.
„Urteile nicht über einen Menschen, bevor du nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bist.“
(Mary T. Lathrap, 1895)
Dieses Zitat der US-amerikanischen Dichterin und Frauenrechtlerin Mary Torrans Lathrap bringt auf den Punkt, worum es im Kern christlichen Handelns geht: um Empathie, um den Perspektivwechsel und um die Bereitschaft, den Weg eines anderen Menschen zumindest ein Stück mitzugehen.
Das Titelbild zu Beginn dieses Textes greift diesen Gedanken auf. Darauf stehen unterschiedliche Schuhe nebeneinander: kleine und große, alte und neue, leichte und schwere. Sie erzählen von verschiedenen Lebenswegen, Generationen und Erfahrungen. Und sie machen deutlich: Niemand geht diesen Weg allein. Zusammen geht was.
Zusammen geht was – Caritas verbindet Generationen
Unter diesem Leitwort steht die Caritas-Kampagne 2026. Sie macht sichtbar, wofür Caritas im Alltag steht: ein Miteinander von Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und mit ganz verschiedenen Lebensgeschichten. In unseren Gemeinden begegnen sich Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senior*innen – im Engagement füreinander, im Zuhören, im Dasein und im gemeinsamen Handeln.
Caritas verbindet Generationen, indem sie Räume schafft, in denen Menschen einander begegnen können – auf Augenhöhe und mit Respekt vor der jeweiligen Lebensgeschichte. Dieses generationenübergreifende Miteinander ist eine besondere Stärke caritativen Handelns.
Miteinander im Gespräch bleiben – Verantwortung in bewegten Zeiten
Gleichzeitig erleben wir, dass unsere Gesellschaft vor großen Herausforderungen steht. Politische Diskussionen werden schärfer geführt, Meinungen prallen aufeinander, Gräben vertiefen sich. Mit Blick auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg im Jahr 2026 wird diese Zuspitzung weiter zunehmen. Umso wichtiger ist es, Räume des respektvollen Miteinanders zu schaffen und offen zu halten.
Als Kirche und Caritas sind wir keine parteipolitischen Akteure. Aber wir tragen Verantwortung für das gesellschaftliche Klima. Christlicher Glaube fordert uns dazu auf, nicht zu polarisieren, sondern zu verbinden; nicht auszugrenzen, sondern zuzuhören. Das bedeutet auch, unterschiedliche politische Haltungen auszuhalten und im Gespräch zu bleiben – gerade dann, wenn es unbequem wird.
Caritatives Handeln lebt vom genauen Hinsehen: auf die Lebensrealitäten von Menschen, auf ihre Sorgen, Hoffnungen und Ängste. Wer bereit ist, sich in die Perspektive anderer hineinzuversetzen, begegnet politischen Fragen differenzierter und menschlicher. So können verbandliche Caritas und die Caritas in den Gemeinden dazu beitragen, dass demokratische Meinungsbildung nicht von Abwertung geprägt ist, sondern von Respekt und Verantwortung.
„Suche den Frieden und jage ihm nach“ – ein biblischer Auftrag für heute
„Suche den Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34,15). Dieses biblische Wort ist mehr als ein frommer Wunsch. Es ist ein Auftrag. Frieden entsteht dort, wo Menschen einander zuhören, Unterschiede aushalten und Verantwortung füreinander übernehmen.
Jesus selbst geht diesen Weg: Er hört zu, stellt Fragen und bleibt im Gespräch mit Menschen unterschiedlichster Herkunft und Überzeugung. Er nimmt Lebensrealitäten ernst, ohne vorschnell zu urteilen. Dieses Mitgehen, dieses Aushalten von Spannung und Unterschiedlichkeit, ist zutiefst christlich – und hochaktuell in einer Zeit politischer Polarisierung.
Genau hier setzt die Caritas-Kampagne an. Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen. Unterschiedliche Lebensalter bringen unterschiedliche Erfahrungen, Sichtweisen und Erwartungen mit sich – auch mit Blick auf gesellschaftliche und politische Fragen. Die einen blicken auf ein langes Leben mit gewachsenen Überzeugungen zurück, die anderen schauen mit Sorge oder Hoffnung auf die Zukunft, die noch vor ihnen liegt.
Die vielen unterschiedlichen Schuhe auf dem Titelbild stehen für die Vielfalt unserer Gesellschaft. Sie erinnern uns daran, dass wir den Weg nicht allein gehen. Als Gemeinde, als Caritas und als Christ*innen sind wir aufgerufen, Brücken zwischen Generationen zu bauen, politische Gräben nicht zu vertiefen und den Frieden aktiv zu suchen. Gerade in Zeiten vor einer Wahl zeigt sich, wie tragfähig unser Miteinander ist. Zusammen geht was – wenn wir bereit sind, miteinander zu gehen.