Diesen Satz hören wir alle bestimmt recht häufig. Dabei geht es um Empfehlungen von Freunden und Bekannten, durch die Werbung oder auch in den diversen Medien. Sehen „muss“ man dann das neueste Theaterstück, die tolle Kunstausstellung, ein Naturschauspiel oder manchmal auch die neuesten Nachrichten.
Für viele von uns sind unsere Augen das Mittel unserer Wahl, wenn es um Wahrnehmung geht. Wenn wir etwas nicht sehen können oder keine visuellen Beweise haben, dass etwas existiert, dann fällt es uns sehr schwer, dies in unseren Wissensschatz mit aufzunehmen.
Dieses Phänomen kennen wir auch aus den Ostererzählungen. Es braucht immer eine bestimmte Form des Sehens, damit die Menschen, die dem auferstandenen Jesus begegnen, auch wirklich begreifen können, dass er es ist.
Sowohl die Frauen am Grab, aber auch die Emmaus-Jünger und Petrus, der sich selbst ein Bild machen will, der nicht auf den Bericht vertraut, sondern schnell wie der Blitz losrennt – Sie alle vertrauen auf ihre Augen, auf das Sehen.
Ist also das Sehen, die visuelle Wahrnehmung das, was uns Menschen zu Gläubigen macht?
Wir finden in der Bibel auch andere Beispiele: Das von Thomas zum Beispiel. Er glaubt nicht, was er sieht, sondern das, was er fühlt, das, was er mit mehr als einem Sinn wahrnehmen kann. Oder die Jünger, denen Jesus am See Genezareth begegnet. Für sie ist es immens wichtig, dass sie mit Jesus sprechen, dass er ihnen erzählt, wie es weitergehen soll. Auch hier werden mehr als nur ein Sinn genutzt.
Und wenn wir mal ehrlich mit uns selbst sind. Wir können uns heutzutage mit den vielen KI-Fakes ohnehin nicht mehr auf das visuelle Bild zu 100% verlassen. Und selbst wenn, dann leben wir einfach viel zu spät, um Jesus, dem Auferstandenen selbst begegnen zu können.
Für uns müssen also andere Sinne zählen, andere Wahrnehmungsformen in den Vordergrund rücken, um uns selbst als Gläubig zu bezeichnen. Und das ist gar nicht mal so einfach, weil wir es eben so sehr gewohnt sind, uns auf das Visuelle zu verlassen.
Und ja, auch unsere Osterliturgie ist voll mit symbolischen Handlungen, mit Gesten, mit Licht, mit visuellen Reizen – doch ich darf sie einladen, in diesem Jahr vielleicht einfach mal an der ein oder anderen Stelle, die Augen zu schließen und mit den anderen Sinnen wahrzunehmen. Mit den Ohren, der Nase, dem Herzen. Schließen Sie ihre Augen und öffnen Sie alle anderen Sinne um wirklich sagen zu können: Jesus ist wahrhaftig auferstanden. Hellelujah!