HYBRID PHILOTHEO

Im Grenzbereich von Philosophie und Theologie

„Durch so viel Formen geschritten“ (Gottfried Benn)

Von der Unmöglichkeit, ohne Vorgaben leben zu können

08.04.2025 | 20:00 Uhr | Bischof-Sproll-Haus, Olgastraße 137, 89073 Ulm

Sein Gedicht „Nur zwei Dinge“ beginnt Gottfried Benn so: „Durch so viel Formen geschritten, durch Ich und Wir und Du.“ Der andere Mensch kommt immer in einer Form, mit seinem Leben, seinen Freunden, seinem Lebensansatz, seinen Gewohnheiten, seiner Art zu sprechen auf mich zu und ist also niemals formlos da. Es gibt keine reine Ich-Du-Relation im Leben, sondern Leben nur in vielfacher Vermittlung. Doch trotz aller Formen, die Halt geben, bleibt das Ich angefochten und ist nie feststellbar, so dass es am Ende – so wieder Benn – nur zwei Dinge gebe: „Die Leere und das gezeichnete Ich.“ Das Seltsame an der Sache, ja das Tragische ist: Der Mensch braucht Formen im Leben, aber bisweilen gibt er nur Formen, die er gerade oder überhaupt nicht brauchen kann, die nicht „passen“ oder ihm selbst gerade nicht passen.

Hintergrund: Vor 25 Jahren entwickelte Wolfgang Steffel ein Modell, wie sich unter heutigen Bedingungen das Gläubig- und Mündigwerden des Menschen vollzieht. Rigides Festhalten der Tradition führt zum Verlust der Resonanzfähigkeit, bloße Anpassung an den Zeitgeist zur Substanzlosigkeit. 2002 wurden die Ergebnisse in dem Buch „Identität im Glauben“ veröffentlicht, darin die Charakterisierung des Menschen als „Indifferenz in Differenz“. Ein Vierteljahrhundert nach diesen Kennzeichnungen lohnt ein Innehalten: Was ist nach wie vor gültig? Welche Bedingungen haben sich verändert, verschärft und zugespitzt?

Zugangsdaten für Video und Telefonteilnahme über das Kath. Dekanat Ehingen-Ulm, 0731/9206010, dekanat.eu@drs.de erhältlich.